Online-Journalismus-Blog https://www.onlinejournalismusblog.com Die Chancen des Medienwandels - von Stephan Dörner Fri, 14 Jun 2019 07:49:51 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.com/ https://s0.wp.com/i/buttonw-com.png Online-Journalismus-Blog https://www.onlinejournalismusblog.com Was funktioniert für Digital-Abos – und was nicht? https://www.onlinejournalismusblog.com/2019/06/14/was-funktioniert-fuer-digital-abos-und-was-nicht/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2019/06/14/was-funktioniert-fuer-digital-abos-und-was-nicht/#respond Fri, 14 Jun 2019 07:48:48 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=923 Weiterlesen]]> Kürzlich war ich auf Googles Newsgeist-Europe-Konferenz in Athen. Die Newsgeist-Konferenz gibt es in einer europäischen und einer amerikanischen Variante. Google lädt dazu Journalist*innen aus aller Welt zu zweieinhalb Tagen intensivem Austausch über digitalen Journalismus ein. Newsgeist ist die Veranstaltung, von der es heißt, dass aus ihr heraus AMP geboren wurde – oder zumindest stark mitgestaltet. Für die Konferenz gelten die Chatham House Rule. Das bedeutet, die Inhalte der Konferenz dürfen frei verbreitet – nicht aber, wer was gesagt hat. Daher werde ich in diesem Bericht keine Namen nennen.

Wir haben uns in den Sessions intensiv zu den dringenden Fragen der Branche ausgetauscht – von ganz praktischen Dingen wie der Frage, wie Leser*innen zu Abonnent*innen werden bis zu philosophischen Fragen wie den Grenzen der Meinungsfreiheit und der Verantwortung von Plattformen.

Wie funktionieren digitale Abo-Modelle?

Für diesen Beitrag will ich mich aber auf ein Thema konzentrieren, das für t3n gerade große Relevanz hat: Wie funktioniert ein digitales Abo-Modell für Medien – und wie nicht? Ein Lokaljournalist aus den USA  hat in einer Session ausführlich berichtet, was für sie im Bereich digitale Subscriptions funktioniert hat und was nicht. Dabei ist mir aufgefallen, wie groß die Ähnlichkeiten in der Community zwischen t3n und der US-Lokalzeitung sind.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse von ihm: „We don‘t make them to pay for news, we allow them to pay for news.“ Die Leute wollen die Lokalzeitung und ihren Journalismus unterstützen. Sie sehen sich weniger als Abonnent*innen und mehr als Unterstützer*innen der Seite und ihrer Werte. Deshalb hat die Zeitung die zwischenzeitlich eingeführte Paywall wieder komplett abgeschafft.

Payment-Prozess: Don’t make me think (or do anything)

Der wichtigste Praxistipp den Bezahl-Prozess, der immer wieder zu hören war: Die notwendigen Schritte bei Bezahlung und Registrierung so gering wie möglich halten. Eine große britische Zeitung verliere die Hälfte (!) der Zahlungswilligen im Zahlprozess, hieß es in einer anderen Session. Ein Teilnehmer berichtete ebenfalls in einer anderen Session, dass sie gute Erfahrungen damit gemacht haben, Registrierungs- und Zahlprozess auseinanderzuziehen. „Cut down the number of steps as far as you can.“

Ansprache: Keine Angst vor vielen E-Mails, Journalismus und Werte im Mittelpunkt

If we ask people, people will pay“ sagte der US-Lokaljournalist – und zwar vor allem, weil die Leute die Zeitung unterstützen wollen, nicht weil sie dafür irgendetwas bekommen. Am Anfang schickte die Lokalzeitung eine E-Mail pro Monat an die Newsletter-Abonennten. Inzwischen sind es 14 E-Mails. Die Anmeldungen haben sich dadurch verzwölffacht. Die E-Mails werden von den Reportern geschrieben. Wenn diese in – oft langen – E-Mails schildern, wie das Geld der Abonnent*innen dem Journalismus der Zeitung hilft, konvertierten die E-Mails viel besser als anonyme Marketing-E-Mails, die einfach nur die Vorteile des Abos beschreiben. Eine andere US-Seite mit klarer linksliberaler Ausrichtung hat A/B-Tests mit Zahlungsaufforderungen durchgeführt. Das Ergebnis: Je länger die E-Mails, desto besser die Conversion Rate. Ein Session-Teilnehmer verwies auf eine interne Studie einer britischen Zeitung. „Die E-Mails müssen wie Kunst klingen, wie ein persönlicher Brief. You are selling a moral duty.“

Mitgliedschaft vs. Abo-Modell

Das alles zahlt auf das Modell Mitgliedschaft in einer Community ein. Die Leute suchten dabei für „a sense of community, a sense of identity, a need for communication“, sagte der US-Lokalzeitungsjournalist. Ein Weg: Eine geschlossene Facebook-Gruppe nur für zahlende Unterstützer*innen. Dort kann die Community auch Artikel-Wünsche gegenüber der Redaktion wünschen.

IEs gibt aber auch Argumente für ein klassisches Abo-Modell, sprich: Artikel hinter die Paywall packen. In einer Umfrage sagten nur etwa 13 Prozent der Leute, die für News bezahlen, dass ihre Hauptmotivation ist, dass sie Journalismus finanzieren wollen. Bei den meisten überwog der praktische Vorteil auf die entsprechende Inhalte zugreifen zu können. Auch das Beispiel Guardian zeigt die Grenzen auf: Sie haben von einem reinen Unterstützer-Modell ohne Paywall auf ein Paywall-Modell umgestellt und damit ihre zahlenden User verdoppelt.

In der Ansprache gibt es sowieso eine zunehmende Konvergenz beider Modelle. Die Washington Post hat beispielsweise hat ein klassisches Abo-Modell aber eine Membership-Ansprache in der Vermarktung („Democracy dies in darkness.“)

Das Schwierigste: Leute bei der Stange halten

Einig waren sich alle darin, dass die Leute Community-Events lieben. Das spielt vor allem eine große Rolle bei der eigentliche Herausforderung jedes digitalen Bezahlmodells, egal ob Community- oder Abo-getrieben: die Leute bei der Stange halten. Das ist für alle Verlage das große Problem. Nur die Hälfte der Abonnenten nutzen das Produkt auch, berichtete ein Teilnehmer. „That is the hardest: To get the readers to use the product.“ Ein Journalist verwies auf das kuriose Geschäftsmodell eines japanischen Fitnesstudios und schlug ein ähnliches Modell für Journalismus vor: Das Studio ist kostenlos, wenn die Leute jeden Tag hingehen. Das ist natürlich unmöglich – aber es sorgt dafür, dass die Kunden das Produkt wirklich nutzen.

Ein Journalist sagte mir im persönlichen Gespräch, dass es wichtig sei, zu beobachten, wer sich vier Monate nicht mehr eingeloggt hat (aber schon zahlt). Diese Leute müssen gezielt mit Community-Engament-Mails angesprochen werden oder sind sicher als Abonennt*innen verloren.

Micropayments? Funktioniert eher nicht

Zum Thema Einzel-Artikel-Verkauf gab es unterschiedliche Ansichten aber mehr Verlage haben die Erfahrung gemacht, dass der Einzel-Artikel-Verkäufe von den Leser*innen zwar häufig gewünscht aber kaum genutzt werden. Die Welt hat den Day-Pass eingeführt aber bemerkt, dass dieser die Abos kannibalisiert und nach zehn Monaten eingestellt. Blendle hat die Einzelverkäufe ebenfalls zugunsten von Abos eingestellt. Für Spiegel und SZ hat der Einzel-Verkauf nicht funktioniert. Ein Teilnehmer sagte, dass sie die Einzelverkäufe aufgegeben haben, nachdem sie nur 1% der Umsätze ausmachen, 99% gingen auf Abos zurück.

Interessante Randnotiz von einem französischen Kollegen: In Frankreich haben sich acht Nischen-Player zusammengetan, die den zahlenden Leser*innen der anderen Medien jeweils 20% Rabatt einräumen.

What would Google do?

Die Vertreter*innen von Google haben zur Paywall-Diskussion auf diese beiden Artikel verwiesen, die beschreiben sollen, wie eine Paywall umgesetzt werden kann, ohne der Reichweite zu schaden:

https://support.google.com/webmasters/answer/7532484?hl=de

https://newsinitiative.withgoogle.com/training/datatools

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Fünf Gründe für einen Zweit-Account bei Twitter https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/10/31/twitter-zweitaccount/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/10/31/twitter-zweitaccount/#comments Sat, 31 Oct 2015 12:26:00 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=914 Weiterlesen]]> Twitter

Foto: LoboStudioHamburg, Lizenz: Public Domain

Bei Twitter bin ich seit einiger Zeit mit zwei Accounts unterwegs: Neben meinem Haupt-Account @Doener habe ich @doener_tech angelegt – ein Kanal, auf dem ich in erster Linie auf Englisch und ausschließlich über Technologie-Themen twittere.

Mit meinem Haupt-Account, angelegt Anfang 2008, erreiche ich derzeit rund 16.600 Follower – mit dem viel jüngeren Account nur rund 600. Trotzdem glaube ich, dass sich die Account-Aufteilung für mich gelohnt hat – im Folgenden fünf gute Gründe, warum der Trend bei Twitter zum Zweit-Account gehen sollte.

  1. Endlich saubere Trennung zwischen Deutsch und Englisch

Leider bietet Twitter nicht die Option, nur den Tweets in einer Sprache eines Accounts zu folgen. Wie viele andere Twitter-Nutzer im deutschsprachigen Raum, habe ich auch rein englischsprachige Follower, die ich mit meinem Hauptaccount nicht wirklich zufriedenstellen kann. Denn ich twittere nun mal am liebsten in meiner Muttersprache. Mit meinem Zweit-Account @doener_tech twittere ich nun konsequent nur auf Englisch.

  1. Ausweitung des Zielpublikums

Womit wir auch direkt beim zweiten Punkt wären: Mit @doener_tech erreiche ich auch ein englischsprachiges, internationales Publikum, das an Tech-Themen interessiert ist, das ich mit meinem Haupt-Account nie erreichen würde. Viele der Accounts, die meinem Zweit-Konto folgen, sind sehr spezialisierte Konten wie beispielsweise Venture-Capital-Firmen.

  1. Keine Followbacks aus Nettigkeit mehr – Twitter als echter Newsfeed nutzen

Hauptmotivation, ein zweites Twitter-Konto anzulegen: Ich wollte Twitter wieder sinnvoll für mich als Nachrichtenfeed und Filter nutzen können. Bei @doener_tech gibt es keine Followbacks aus Nettigkeit oder weil ich jemanden persönlich kenne – das ist mein „Arbeits-Account.“

Hier folge ich konsequent nur solchen Nutzern, die für mich Relevantes zu Tech-Themen twittern. Natürlich nutze ich auch andere Instrumente wie RSS-Feeds mit Feedly, Reddit, Hacker News und weitere Quellen, um relevante Tech-Themen zu finden – aber Twitter gehört jetzt wieder zu diesen Instrumenten.

  1. Account können auch gegenseitig für sich werben

Die Followerschaft des einen Account kann natürlich dazu genutzt werden, die Follower des anderen Accounts aufzubauen. Kurz nach dem Start hatte ich so schon mehrere Hundert Follower für meinen neuen Account.

  1. Im Zweifel hilft der Retweet

Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen ein Tweet für beide Kanäle geeignet wäre. In solchen Fällen veröffentliche ich den Tweet mit einem der beiden Accounts und retweete ihn dann mit dem anderen. Das erspart Followern, die beiden Konten folgen, dass ein Tweet zwei Mal angezeigt wird – und nebenbei werben so auch beide Konten unter den Followern des jeweils anderen Accounts füreinander.

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Verteidigung der Native Ad https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/10/26/native-ads/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/10/26/native-ads/#comments Mon, 26 Oct 2015 05:49:23 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=898 Weiterlesen]]> Die Native Ads – oder native Werbung – sind noch immer umstritten. Dabei zeigen US-Beispiele wie Native Ads gut funktionieren. Es wird Zeit, dass auch deutsche Werbetreibende und Verlage sich dem Format weiter öffnen – denn der Online-Werbemarkt ist kaputt und die Native Ad könnte ein Teil der Lösung des Problems sein.

In der Printwelt nennt man sie „Verlagsbeilage“ – online wurde sie gleich von vorne herein ehrlicher genannt: Native Ad oder native Werbung. Es handelt sich um bezahlte Inhalte, die optisch wie Artikel aufgemacht sind und sich im besten Fall sich sogar so lesen.

Als die Native Ad vor einigen Jahren erstmals in der angelsächsischen Welt breit diskutiert wurde, stieß sie bei allen auf Skepsis, die journalistische Standards hochhalten – mich eingeschlossen. Eine der grundlegenden Regeln jedes seriösen Journalismus, der als unabhängig und glaubwürdig wahrgenommen werden will, ist die klare optische Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Der Leser muss wissen, womit er es zu tun hat: Kritische, von einer Redaktion erstellte Inhalte – oder pure Auftragskommunikation, werbliche, gekaufte Texte.

Wenn eine Werbung, der wie ein Artikel aufgemacht ist, nicht sofort als solcher erkannt wird, gefährdet das die Glaubwürdigkeit eines Mediums. Deshalb muss die erste und wichtigste Regel bei jeder Native Ad lauten: Ross und Reiter müssen klar erkenntlich benannt werden. Unternehmen XY hat für diesen Artikel bezahlt – das muss der Leser beim ersten Blick erfassen können.

Doch warum überhaupt native Werbung? Ganz einfach: Weil der Werbemarkt für Journalismus online kaputt ist und es derzeit wenig Anzeichen dafür gibt, dass er noch einmal repariert werden kann.

Online-Werbung nervt und funktioniert kaum

Der Online-Werbemarkt ist in jeder Hinsicht kaputt: Die Anzeigenpreise liegen auf Tausender-Kontakte umgerechnet bei einem Bruchteil der Printpreise. Weil gleichzeitig es bislang kaum funktionierende Paid-Content-Modelle online gibt, könnte davon alleine keine Redaktion ansatzweise in heutiger Größe finanziert werden.

Und Online-Werbung nervt. Das zeigt jüngst Mal wieder der erbittert ausgeführte Streit um Online-Werbeblocker. Zu guter letzt funktioniert die Online-Werbung auch für den Werbetreibenden schlecht: Wer die Werbung nicht technisch durch Werbeblocker ausfiltert, ist meist ohnehin längst bannerblind geworden.

Die Native Werbung kann dieses Problem lösen – wenn sie richtig gemacht ist. Das heißt einerseits ethisch korrekt durch eine klare Kennzeichnung und andererseits gut gemacht, indem Werbekunden ihren Kontrollwahn bekämpfen und stattdessen Artikel schreiben lassen, wie sie auch ohne Geldzahlung in der entsprechenden Publikation erscheinen könnten. Eine gut gemachte Native Ad ist keine auf Artikellänge ausgewalzte Werbung, sondern ein interessanter Artikel, den Leser mit Freude und Interesse lesen.

Wie man eine Native Ad richtig macht

Widerspricht sich das? Nicht unbedingt. Ein Beispiel ist die Native Ad für die von Netflix produzierte Serie „Orange is he new Black“ in der New York Times. Es handelt sich um einen gut recherchierten Artikel über Frauengefängnisse in den USA – das Thema der Serie. Damit wird das, was der Artikel verkaufen will, geschickt mit dem Produkt verwoben, ohne dass der Inhalt des Artikels selbst werblich und damit letztlich uninteressant wird.

Das größte Risiko, das ich für die Zukunft der Native Ad in Detschland sehe, ist die von Angst getriebene konservative Übervorsicht bei werbetreibenden Unternehmen und ihren Agenturen. In hierachischen Systemen muss jeder Akteur seine Handlungen vor der nächsthöheren Ebene rechtfertigen. Und für eine 0815-Bannerwerbung oder die klassiche Printanzeige ist noch niemand entlassen worden.

Meine Prognose: Wer immer hier als erster mutige Experimente wagt und Artikel schreiben lässt, die in erster Linie gute Artikel sind und keine Werbung, wird im Online-Bereich die Akzente setzen, denen alle anderen folgen werden.

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Abofallen: Die Internetone AG, Ralf Höcker und die Hansaring-61-Connection https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/14/die-internetone-ag-ralf-hoecker-und-die-hansaring-61-connection/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/14/die-internetone-ag-ralf-hoecker-und-die-hansaring-61-connection/#comments Fri, 14 Aug 2015 18:09:17 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=870 Weiterlesen]]> Ralf Höcker: Lexikon der Internetfallen

Ralf Höcker: Lexikon der Internetfallen

Die Internetone AG aus Köln ist nach unseren Recherchen in der Welt am Sonntag tief in Betrieb zahlreicher sehr fragwürdiger Dating- und Sexdating-Portale wie Parwise.de, PrimeSingles, Dateformore.de, Just-Date, Daily-Date, Only-Dates, Zuuyo.com und Flirtcafe.de verwickelt.

Die im Impressum dieser Seiten genannten Firmen wie Ideo Labs GmbH und Frontline Digital GmbH in Berlin oder Flirtcafe Online GmbH in Köln haben exzellente juristische Unterstützung, um ihre Geschäfte zu betreiben. Dabei sprang uns immer wieder eine Adresse ins Auge: der Hansaring 61 in 50670 Köln.

Am Hansaring 61 in Köln sitzt die Internetone AG und betreibt laut zahlreichen Ex-Mitarbeitern neben einigen Gaming-Seiten vor allem ein Netzwerk von fragwürdigen Dating-Seiten – auch wenn im Impressum eine andere Adresse im KölnTurm angegeben ist. Vorsitzender des Vorstands ist laut Impressum Stefan Andreas Warner – die Strippen im Hintergrund zieht jedoch laut zahlreichen Ex-Mitarbeitern ein Ingo Herbert Dominik Kaun, der einst die Medusa Online GmbH gegründet hatte, die später in Flirtcafe Online GmbH umbenannt wurde. Ingo Kaun nannte sich in anderen Zusammenhängen auch schon Herbert Kaun.

Der Online-Kündigungsdienst Aboalarm schreibt:

Der aboalarm-Kundenservice zählt für Online-Dating-Plattformen der Ideo Labs GmbH, zu denen auch dateformore.de gehört, die meisten der sogenannten Level-3-Supportfälle (Kündigung wurde nicht akzeptiert) überhaupt. Fast 40% aller Kundenbeschwerden dieser Art betreffen Kunden der Ideo Labs GmbH. Und das, obwohl Kündigungen gegenüber Ideo Labs bei aboalarm ca. 1,5% unseres Gesamtvolumens ausmachen. Übrigens, alle aboalarm-Nutzer, die in diesen Fällen unsere anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen haben, konnten ihre Kündigung wie gewünscht durchsetzen.

Auf verschiedene Anwälte beschäftigen sich mit den Abo-Fallen – nicht zuletzt, weil sie Kundschaft bringen. Die Kanzlei Werdermann von Rüden Rechtsanwälte schaltet aktuell sogar Werbung auf Google, wenn man nach „Parwise“ oder „Dateformore“ sucht: „Parwise macht Probleme?“ Bei Youtube hat die Kanzlei dieses Video mit dem Anwalt Johannes von Rüden hochgeladen.

Hinweis: An dieser Stelle war ein auf Youtube gehostetes Video der Kanzlei Werdermann von Rüden Rechtsanwälte verlinkt. Ich habe den Link nach einer Abmahnung durch die Kanzlei Höcker gelöscht. In dem zweiminütigen Video soll der Abmahnung zufolge auch der Satz „Die Kündigung übrigens wird einem noch zusätzlich dadurch erschwert, dass man nur schriftlich kündigen kann“ enthalten gewesen sein. Das ist nach Angaben der Kanzlei Höcker, die hier die Frontline Digital GmbH vertritt, falsch, da eine Online-Kündigung möglich sei. Wie gut diese Online-Kündigung bei den Portalen der Ideo Labs GmbH funktioniert, damit hatte sich das juristische Online-Portal LTO – ebenfalls nach einer Abmahnung durch die Kanzlei Höcker – bereits ausführlich auseinandergesetzt. Mit dem Video hatte ich mich in diesem Beitrag nicht weiter inhaltlich auseinandergesetzt – es sollte demonstrieren, dass sich auch Kanzleien inzwischen mit diesem Thema auseinandersetzen.

Andere Anwälte, die sich öffentlich mit den Machenschaften des Netzwerks auseinandersetzten sind zum Beispiel die Kanzlei Exner, die Kanzlei Rader oder die Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Gegen unseren Bericht in der WamS ist die Internetone AG, die ebenso wie Ideo Labs und Ingo Kaun, von der bekannten Medienrechtskanzlei Höcker vertreten wird, bislang nicht vorgegangen. Gegen einen Bericht des juristischen Magazins Legal Tribune Online (LTO) gingen die Höcker-Anwälte dagegen vor. Allerdings wehrte sich LTO gegen diese Abmahnung.

Der Gründer der Kanzlei Höcker, der bekannte TV-Anwalt Ralf Höcker, war bis zu unserem Bericht außerdem Aufsichtsratschef der Internetone AG und trat dann von diesem Posten zurück.

Wer fragwürdige Geschäfte betreibt, profitiert umso mehr von einer exzellenten juristischen Beratung. Wie fleißig die Anwälte im Falle der Internetone AG sind, zeigt allein eine Google-Suche zum Beispiel nach „Ideo Labs“. Dann findet man zum Beispiel Artikel wie diesen hier:

Verbraucherschutz.de wurde von den Anwälten der Firma Ideo Labs abgemahnt, weil die Darstellung von Herrn Robert K. “unvollständig” ist, und “damit zu Lasten unserer Mandantin einen falschen Eindruck erweckt”.

Quelle: http://verbraucherschutz.de/wer-hat-erfahrung-mit-ideo-labs-gmbh-dateformore-de/

Andere Blogs haben Kommentare gleich ganz abgeschaltet, weil sie Angst vor weiteren Abmahnungen der Ideo-Labs-Anwälte haben und auf Bewertungsportalen wurden auffällig viele 1-Stern-Bewertungen, die Portale der Ideo Labs betreffen, gelöscht.

Auch ansonsten ist die Internetone AG bestens mit Anwalt-Kontakten versorgt: Die Kölner Kanzlei CORSO Rechtsanwälte LLP hielt lange die Anteile der zahlreichen Firmen des Dating-Netzwerks und der Partner und Gesellschafter der CORSO, der Kölner Rechtsanwalt Andreas Lenz, saß laut Impressum wie Ralf Höcker im Aufsichtsrat der Internetone. Lenz und Höcker haben zusammen bei der bekannten Kanzlei Linklater gearbeitet.

Inzwischen liegen die Anteile der meisten Unternehmen aus dem Dating-Netzwerk bei dem Kölner Anwalt Serge Reitze, der telefonisch ausrichten ließ, für Presseanfragen grundsätzlich nicht zur Verfügung zu stehen. Und noch ein Jurist kann mit der Internetone AG in Verbindung gebracht werden: Der Kölner Steuerberater Eberhard Woyack, [an dieser Stelle wurde nach einer einstweiligen Verfügung durch die 28. Zivilkammer des Landgerichts Köln im Auftrag von Herrn Woyack, erwirkt natürlich durch die Kanzlei Höcker, ein Halbsatz gelöscht]. Er saß laut Handelsregister bei der Gründung der Firma neben Höcker und Lenz ebenfalls im Aufsichtsrat.

Woyack, die Internetone AG, Ideo Labs und die Frontline Digital GmbH reagierten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme – ebenso Ralf Höcker selbst. Der WamS hatte er noch eine Stellungnahme geschickt, aus der wir nicht zitieren durften. Rechtsanwalt Andreas Lenz ließ mitteilen, dass „die CORSO Rechtsanwälte LLP weder direkt noch indirekt (wirtschaftlicher) Eigentümer oder Treuhänder für Geschäftsanteile oder Aktien einer der von Ihnen erwähnten Gesellschaften jemals war oder aktuell ist.“ Tatsächlich hatte die Rechtsanwaltsgesellschaft von Lenz laut Handelsregister die Ideo Labs GmbH gegründet und die Anteile bis einschließlich April 2015 vollständig über den Umweg von Zwischenfirmen gehalten.

Im Impressum der Internetone AG findet sich der Hansaring 61 nicht wider – stattdessen wird die Adresse KölnTurm im Mediapark 8 angegeben. Dort befindet sich aber nur ein „virtuelles Büro“ – Bewerber werden zum Hansaring geschickt. Dass die Internetone AG nicht im KölnTurm sitzt, ist beispielweise auch anhand der Fotos auf Kununu.com zu sehen. Die Fenster im Hintergrund auf den Fotos lassen sich öffnen – die des KölnTurms nicht.

Vielleicht findet sich nicht die korrekte Anschrift 61 im Impressum, weil sich diese klar Ingo Kaun und seiner CCM Marketing- und Vertriebsgesellschaft mbH zuordnen lässt. Und auf den Hansaring 61 hatte er auch seine Domain Ingocaun.com angemeldet – auch wenn im Impressum etwas anderes steht. Domains, die noch auf die alte Medusa United von Kaun angemeldet sind – beispielsweise wer-findet-wen.de, das auf Flirtcafe.de umleitet – sind ebenfalls am Hansaring 61 registriert.

Ralf Höcker wiederum, der auch die Markenrechte für die Ideo-Labs-Plattform Dateformore.de als auch für Flirtcafe.de eingetragen hat, gründete seine Kanzlei ebenfalls an dieser Adresse. Seine Kanzlei hatte Ingo Kauns Machenschaften übrigens auch schon vor vielen Jahren rechtlich verteidigt – indem er gegen kritische Berichte über Abofallen bei Flirtcafe.de vorging. Mindestens seit 2009 ging die Höcker-Kanzlei laut Berichten bereits gegen kritische Berichte über Flirtcafe.de vor. Die Höcker Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft vertrat die Ideo Labs GmbH als auch die Frontline Digital GmbH bei Markenangelegenheiten und bei verschiedenen Rechtsstreitigkeiten (u.a. Parwise gegen Elitepartner).

Am Hansaring 61 wurde auch die Medusa United Media GmbH gegründet, Betreiberin von Flirtcafe.de, die sich dann später in Flirtcafe Online GmbH umbenannte. Heute sitzt sie offiziell am Kaiser-Wilhelm-Ring 27–29. Sie hat dort ein virtuelles Büro von Regus gemietet.

Rechtsanwalt Carsten Brennecke von der Kanzlei Höcker versuchte im Vorfeld der WamS-Recherche durch zahlreiche E-Mails eine Berichterstattung zur Ideo Labs oder die Verstrickungen seiner Kanzlei in das Netzwerk der Dating-Seiten zu verhindern – bis hin zur Drohung mit Strafanzeige wegen Hausfriedensbuch im Namen der Ideo Labs GmbH, weil ich angeblich die Geschäftsraume der Ideo Labs in Berlin unter der Behauptung betreten haben soll, einen Termin mit der Geschäftsführerin zu haben.

Wir bleiben an den Machenschaften der Internetone AG dran. Wer sachdienliche Hinweise hat – hier findet ihr meine Kontaktdaten. https://www.onlinejournalismusblog.com/impressum/

Weiterführende Links zum Thema Ideo Labs und Internetone AG:

Weiterführende Links zur Kanzlei Höcker:

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https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/14/die-internetone-ag-ralf-hoecker-und-die-hansaring-61-connection/feed/ 9 Hoecker_Cover-1024x1024 stephandoerner Ralf Höcker: Lexikon der Internetfallen
Cecil – lasst mich mit diesem Löwen in Ruhe! https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/03/cecil-loewe/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/03/cecil-loewe/#comments Mon, 03 Aug 2015 09:39:13 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=866 Weiterlesen]]> In Simbabwe wurde ein Löwe von einem Wilderer getötet. Das soll häufiger vorkommen und ist sicher etwas, was bekämpft werden sollte – immerhin gehören Löwen zwar nicht zu den akut vom Aussterben bedrohten aber durchaus zu den gefährdeten Arten. Die Unterart Asiatischer Löwe (Panthera leo persica) wird in der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) sogar als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) gelistet.

Nun ist es generell so, dass das hungernde Kinder, Kriege und ähnlich katastrophaler Ereignisse ein beliebtes Totschlagargument sind, jede Diskussion über andere Missstände im Kern abzuwürgen und ihre Bekämpfung zu verhindern. Es ist sicher gut, sich für Tierschutz, für Datenschutz oder für irgendein anderes gutes Ziel einzusetzen, auch wenn Menschen im Krieg sterben, hungern oder an vermeidbaren Krankheiten sterben – wie es immer noch in großem Umfang auf dieser Erde vorkommt.

In diesem Falle aber fällt aus meiner Sicht das krasse Missverhältnis zwischen Größe des Problems und Menge der medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit besonders stark auf. Was mich an der medialen Dauerbefeuerung mit dem Löwen Cecil stört ist die menschliche Tendenz zur Kanalisierung auf Sündenböcke. Der Wilderer ist in diesem Fall ein weißer, reicher Amerikaner – und dazu noch Zahnarzt. Einen besseren Bösewicht gibt es wohl kaum.

Nun gibt es Millionen Menschen, die sich in Social-Media-Kanälen wohlfeil über diesen Mann erheben, während jeder normale Fleischesser für Tausende Male mehr Tierleid verantwortlich ist.

Ich sehe Parallelen zum Protest gegen Pelzträgerinnen von Peta & Co: Ja, Nerzfarmen sind schlimm. Aber wahr ist auch: Gegen eine kleine Minderheit von Pelzträgerinnen lässt sich viel leichter hetzen, als gegen die Masse der Schnitzelesser. Da klatscht der Schnitzelesser sogar noch Beifall und kann sich als was Besseres fühlen – sehr bequem für alle Beteiligten.

In solchen Fällen habe ich immer die mittelalterliche Gesellschaft vor meinen Augen, die ihre Komplexe aufgrund unvermeidlicher Sünden auf Hexen und Ketzer ablädt. Wir alle wissen, dass unser Lebensstil  in die Katastrophe führt, wenn er zum weltweiten Standard wird – aber ab und zu kommt zum Glück so ein „Arschloch“ (Titelseite B.Z.) und lädt alle Sünden auf sich. Da kann man sich dann wieder besser fühlen.

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https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/08/03/cecil-loewe/feed/ 1 stephandoerner
Facebook Instant Articles – die fünf zentralen Fragen https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/05/17/facebook-instant-articles-die-funf-zentralen-fragen/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/05/17/facebook-instant-articles-die-funf-zentralen-fragen/#comments Sun, 17 May 2015 09:01:48 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=858 Weiterlesen]]> Facebook und die Zeitungen – es ist kompliziert

Um einen Artikel bestimmter Medien zu lesen, müssen Nutzer künftig Facebook nicht mehr verlassen. Der Artikel wird direkt in den Newsfeed von Facebook geladen – optisch schön aufbereitet, optional samt Multimediainhalten und auch Werbung, von der die Verlage profitieren sollen.

Facebook Instant Articles - Beispiel eines Artikels von National Geographic auf dem Smartphne

Foto: Facebook

Instant Articles heißt die neue Funktion für ausgewählte Medienpartner – und ich finde sie gleich auf mehreren Ebenen spannend: Zunächst einmal wäre da die Erkenntnis, dass schlanke und reduziert ausgespielte Inhalte in Zeiten des mobilen Internets wieder ihre Berechtigung haben. Jeder, der schon einmal verzweifelt versucht hat im Zug bei schlechtem Netzempfang einen Artikel aus dem Twitter- oder Facebook-Stream zu öffnen, weiß sofort, was ich meine.

  1. „Du kommst hier nicht rein“ – Facebook Articles ist ein exklusiver Club

Dann finde ich das Vorgehen von Facebook interessant – und die Reaktion der Medienhäuser: Instant Articles ist eine Art Club, in den nicht jeder sofort reingelassen wird. In Deutschland sind bisher nur Spiegel Online und Bild.de dabei – und die Bild.de ist das einzige Boulevardmedium weltweit, das bisher bei Instant Articles mitmachen darf. Facebook ist gezielt weltweit auf entweder qualitativ hochwertige oder besonders reichweitenstarke Medien zugegangen – neben den beiden deutschen Medien sind unter anderem Buzzfeed, The New York Times, National Geographic, The Guardian oder BBC News dabei.

Natürlich wird in den Verlagen und Redaktionen diskutiert und nicht alle sind überzeugt von dem Weg – aber vielleicht hat Facebooks Vorgehen hier auf einzelne Medien gezielt zuzugehen statt wie Google bei Google News sofort jeden ungefragt zu syndizieren, die Stimmung zugunsten von Facebook beeinflusst.

Die Medienpartner von Facebook Instant Articles

  1. Verlage profitieren von Werbeerlösen, Analyse-Daten und Reichenweitenmessung

Zentral ist natürlich auch Facebooks Versprechen, dass die Verlage die Hoheit über Inhalte und Anzeigen der Artikel behalten, obwohl diese von den Servern von Facebook abgerufen werden – was auch aus Performance-Gründen sinnvoll ist. Auch sollen die Verlage über Comscore und andere Analyse-Werkzeuge die anfallenden Daten auswerten können – inklusive der in Deutschland Messung der Reichweite über einen Pixel der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträger (IVW). Und last but not least sollen sogar die Einnahmen aus der Werbung komplett bei den Verlagen landen.

  1. Was hat Facebook davon? Plattformen vs. Commodities

Bleibt die Frage: Was hat Facebook davon? Ganz einfach: Im Zeitalter des Internets teilt sich die Wirtschaftswelt immer stärker in Plattformen und Commodities – also Waren und Dienstleistungen, die über die Plattformen bezogen werden. In der Regel entwickeln sich die Plattformen durch den Netzwerkeffekt schnell zu einem Quasi-Monopol in ihrem Bereich und sind daher hochprofitabel. Die Anbieter der Waren und Dienstleistungen dagegen büßen stark an Macht ein und müssen ihre Angebote zu Preisen nahe am Deckungsbeitrag verkaufen – die hohe durch die Plattform geschaffene Preistransparenz sei Dank. Während der Plattformbetreiber also in der Regel hochprofitabel arbeitet, liefern die Zulieferer für die Plattform ihre Waren und Dienstleistungen gerade so teuer aus, dass ihnen eine winzige Marge bleibt – sonst gibt es einen anderen Anbieter, der den Auftrag übernimmt.

Die Plattform für gezielte Suchen von Inhalten aller Art im Internet ist Google, die Plattform für Produkte Amazon und die Plattform für soziale Interaktionen Facebook. Facebook will der zentrale Platz im Netz sein, an dem sich Nutzer über Neuigkeiten informieren, ohne dass sie gezielt nach etwas suchen – seien es Klatsch und Tratsch aus dem Bekanntenkreis oder eben Nachrichten.

Nachrichtenportale wie Spiegel Online haben bis heute den Anspruch die erste Anlaufstelle im Netz zu sein, um sich über Nachrichten zu informieren. Die Homepage – also Startseite des Nachrichtenangebots – soll Wegweiser sein und das Auge schnell auf die wichtigsten Nachrichten lenken. Durch Suche und in den letzten Jahren vor allem das Social Web hat die Homepage an Bedeutung verloren, ist aber noch lange nicht tot – zumindest nicht für Medien mit starker Marke. Wer stark nachrichtlich interessiert ist, wird auch künftig noch die Homepage von Nachrichten-Portalen gezielt ansteuern.

Wer dagegen aber bisher vielleicht ein Mal am Tag Spiegel Online aufgerufen hat, um zu sehen, ob etwas Wichtiges passiert ist, wird darauf künftig dank Facebook Instant Articles noch eher verzichten können. Wenn es Wichtiges passiert wäre, hätte man es ja auf Facebook mitbekommen. Andererseits bringt Instant Articles Nachrichten zu Nutzern, die ansonsten vielleicht gar nicht auf gezielt auf Nachrichtenseiten surfen – und erhöht damit die Reichweite.

  1. Erhöhen Instant Articles den Preis von Online-Werbung?

Eine weitere spannende Frage wird sein, was Werbekunden für das Format zu zahlen bereit sind. Konzentrieren sich die Medienhäuser bei ihren Facebook-Inhalten auf die wichtigsten und optisch schön aufbereiteten Nachrichten, kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Tausender-Kontakt-Preis für Werbung hier deutlich höher liegt als bei klassischer Bannwerbung online. Das gilt um so mehr, wenn mit dem Format auch neue innovative Werbeformate entwickelt werden, die der Nutzer wahrnimmt, ohne dass sie ihn stört. Für klassische Bannwerbung auf den Onlineportalen sind derzeit beide Kriterien nicht erfüllt.

Facebook selbst hat es geschafft, Werbeformate zu entwickeln, die diesen Kriterien genügen und sogar mobil funktionieren, was das soziale Netzwerk sogar Google voraus hat. Bei Facebook heißt es, dass die Verlage nicht verkaufte Anzeigenplätze über das Audience Network von Facebook vermarkten können. Vielleicht wird Facebook allein deshalb für News Formate entwickeln, die besser funktionieren als Bannerwebung.

  1. Löst Facebook das Problem von Nachrichten im Social Web – und lässt es sich das langfristig bezahlen?

Ein Problem beim Konsum von Nachrichten, das Facebook aus Nutzersicht mit Algorithmen lösen kann, ist dass bisher bei RSS-Readern aber auch sozial kuratierten Nachrichtenfeeds wie Twitter große Medienereignisse wie der Tod einer Person den Nutzer Dutzendfach erreichen – nur eben von vielen verschiedenen Quellen. Dann wäre Facebook in der mächtigen Position zu entscheiden, welches Medium welchem Nutzer eine Nachricht überreichen darf. Und genau in diesem Zentrum der Macht liegt wieder ein mögliches Geschäftsmodell: So wie Medien und andere Seitenbetreiber bei Facebook heute schon Geld dafür bezahlen müssen, um auch wirklich alle Nutzer zu erreichen, die ihre Seite „geliked“ haben, könnte Facebook dann irgendwann Medien dafür zur Kasse bitten, dass sie der Überbringer einer Nachricht sind und nicht die Konkurrenz. Plattform zu sein lohnt sich immer im Internet.

Weitere lesenswerte Beiträge zum Thema:

Tools don’t solve the web’s problems, they ARE the problem

Peter-Paul Koch verweist darauf, dass Facebook die im mobilen Netz höhere Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit beim Anzeigen von Artikeln vor allem durch das Weglassen von Überflüssigen erreicht – die Texte werden ohne das auf Zeitungseiten übliche Drumherum aus weiterführenden Artikeln, Menüs, meistgelesene Artikel und optischen Störelementen angezeigt, die die Ladezeiten normalerweise verlängern.

instant articles = gepimptes RSS zu facebook-bedingungen

Felix Schwenzel schreibt, dass es genau so etwas wie Instant Articles im Web eigentlich schon lange gibt aber inzwischen kaum noch genutzt wird: Volltext-RSS. Übrigens ist es zwar richtig wie Felix schreibt, dass RSS Werbung erlaubt – die Reichweitenmessung mittels IVW-Pixel ist aber mindestens schwierig.

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https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/05/17/facebook-instant-articles-die-funf-zentralen-fragen/feed/ 3 1-e1431456559724 stephandoerner Die Medienpartner von Facebook Instant Articles
Die #roflcopter laufen wieder – 2400 Euro gilt es zu schlagen https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/04/24/rofl-copter-laufen-wieder/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/04/24/rofl-copter-laufen-wieder/#respond Fri, 24 Apr 2015 11:42:48 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=843 Weiterlesen]]> Am Anfang stand ein Tweet. Dann folgte eine Wette – und plötzlich standen vor einem Jahr vier Blogger plötzlich in Düsseldorf und machten beim METRO-Staffelmarathon mit – darunter auch der Autor dieses Blogs.
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Von links nach rechts: Thomas Knüwer, Christian Kirchner, Stephan Dörner und Roland Schweins

Damals ließen wir uns das Laufen gut bezahlen und sammelten 2.600 Euro Spenden für einen guten Zweck.

Nun geht die Blogger-Staffel in die zweite Runde – in fast der alten Besetzung. Nur Thomas Knüwer kann diesmal nicht mitmachen, weil er sich einen Traum erfüllt und in London mitläuft. Für ihn tritt Thorsten Firlus an. Aus dem letzten Jahr wieder dabei: Roland Schweins (Passion Papa), Christian Kirchner (menschen.zahlen.sensationen.) und ich. Startschuss ist der Samstag, 26. April. um 9:45 Uhr.

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Besonders für die beiden Couch Potatoes in der Runde – Roland und mich – wird das wieder eine Qual. Da ich meinen neuen Job erst am 1. Mai antrete hatte ich nach der Schließung des Wall Street Journal Deutschland im Dezember viel Zeit – und die habe ich nicht etwa zum Trainieren, sondern zum Reisen genutzt. Ich war unter anderem in Indien, Österreich und dem Spreewald vor der Tür – und habe dort alles mögliche gemacht, bin aber nicht gelaufen. Und zu allem Überfluss soll es auch noch regnen – genau wie im letzten Jahr.

Diese Überwindung wollen wir von euch vergoldet wissen – für einen guten Zweck! Auch diesmal soll wieder fleißig gespendet werden – und zwar an den Förderkreis krebskranke Kinder e.V. – ein von Eltern krebskranker Kinder gegründeter Verein, der sich fast ausschließlich durch Spenden finanziert.

Weitere Details und die direkte Möglichkeit zu spenden gibt es bei Thomas und bei Roland.

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https://www.onlinejournalismusblog.com/2015/04/24/rofl-copter-laufen-wieder/feed/ 0 stephandoerner roflcopter-D-2014 roflcopter-1-300x156
Die Debatte der letzten Jahre als Buch: Medienwandel kompakt erschienen https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/08/10/die-debatte-der-letzten-jahre-als-buch-medienwandel-kompakt-erschienen/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/08/10/die-debatte-der-letzten-jahre-als-buch-medienwandel-kompakt-erschienen/#respond Sun, 10 Aug 2014 18:39:12 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=835 Weiterlesen]]> Wie wird in Blogs der Medienwandel in seinen ökonomischen, politischen und journalistischen Dimensionen gesehen? Das ist die Frage, welche die Buchreihe „Medienwandel kompakt“ beantworten helfen möchte.

Online-Manager und Medienunternehmer Christoph Kappes (Twitter) hat dazu zusammen mit Jan Krone, Professor für Medienwirtschaft an der FH St. Pölten, und Leonard Novy (Twitter), Direktor am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, den zweiten Band herausgegeben, der den Zeitraum 2011 bis 2013 behandelt und der soeben erschienen ist:

Medienwandel kompakt 2011 – 2013: Netzveröffentlichungen zu Medienökonomie, Medienpolitik & Journalismus bei Amazon bestellen (Sponsored Link)

Neben Autoren wie Thomas Knüwer, Martin Weigert, Johnny Haeusler, Michael Seemann (aka mspro), Markus Beckedahl und Sascha Lobo finden sich auch zwei Texte von mir in dem Buch, die in diesem Blog sowie auf Carta erschienen sind. Alles weitere – inklusive einer Stellungnahme zu dem Vorwurf der geringen Frauenquote unter den Autoren – findet sich bei Christoph Kappes.

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https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/08/10/die-debatte-der-letzten-jahre-als-buch-medienwandel-kompakt-erschienen/feed/ 0 stephandoerner
Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen? https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/06/19/social-media-redakteur/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/06/19/social-media-redakteur/#comments Thu, 19 Jun 2014 14:08:34 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=824 Weiterlesen]]> Im Zentrum der Social-Media-Revolution steht nicht der Social-Media-Redakteur, sondern der Kontrollverlust – und eine neue Gefahr für die journalistische Unabhängigkeit.
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Foto: bykst, Lizenz: Public Domain

Die Homepage ist tot – oder stirbt zumindest – ist das Ergebnis des New York Times Innovation Report. Jetzt bleibt die Frage, wie Journalisten und Redaktionen damit umgehen. Wird der Social-Media-Redakteur damit zur zentralen Person in jeder Redaktion, weil immer mehr Traffic über Facebook und Co kommen und die Gewichtung der Artikel auf der Homepage an Bedeutung verliert?

Das ist die These meines WSJ.de-Kollegen Jörgen Camrath, der damit selbst einen Social-Media-Erfolg landete. Social-Media-Redakteure seien „Community-Editor, CvD, Grafiker, Bildredakteur, Fotograf und Autor in einer Person“ und damit die „Blattmacher des Internetzeitalters“, schreibt er in seinem Blog.

Mein Schluss aus der Erkenntnis ist ein anderer: Den Blattmacher gibt es heute zunehmend gar nicht mehr.

Redaktionen entgleitet die Kontrolle

Natürlich ist es wichtig, dass Inhalte für das Social Web aufbereitet werden – das sollte inzwischen jeder Journalist verstanden haben. Natürlich kommt dem Social-Media-Redakteur dabei eine wichtige Aufgabe zu. Doch die Sicht, dass dieser damit zur personifizierten Steuerungszentrale der Redaktion wird, verkennt meines Erachtens eine wichtige Entwicklung: Der Redaktion insgesamt entgleitet im Onlinezeitalter zunehmend die Kontrolle darüber, was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht.

Beispiel: Ich weiß aus einem Gespräch mit einem Social-Media-Verantwortlichen bei Bild.de, dass der im Social Web erfolgreichste Bild.de-Artikel aller Zeiten niemals von irgendeinem Redakteur dort verbreitet wurde. Es handelt sich um eine kurze, Emotionen ansprechende Meldung über einen in einer Mülltonne ausgesetzten Welpen (wenn ich mich recht erinnere). Der Artikel stammt aus einer der Bild-Regionalausgaben und wurde weder aktiv von der Redaktion im Social Web verbreitet noch an irgendeiner Stelle der Bild.de-Homepage je gezeigt. (EDIT: Laut Thorsten Beeck, Head of Social Media bei der Bild, wurde er nach dem Erfolg bei Facebook dann doch von der Redaktion aktiv verbeitet, siehe Tweets am Ende des Artikels.)

Reizworte sind im Social Web Trumpf

Auch aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es weniger darauf ankommt, wie die Redaktion selbst Inhalte ins Social Web einstellt – viel wichtiger sind dabei Themen, die Emotionen oder Ängste wecken oder Schlagworte, die dafür sorgen, dass Inhalte ganz ohne eigenes Zutun von Internetnutzern rasant verbreitet werden. Unser jüngster Smash-Hit von WSJ.de auf Facebook trägt den Titel „Mecklenburg-Vorpommern bricht den Fracking-Bann“ und wurde auf Facebook bislang über 3.000 Mal geliked beziehungsweise geteilt. Ich selbst hatte Dienst, als der Artikel in dieser Woche online gegangen ist und habe die Dynamik miterlebt: Noch bevor ich über unsere offiziellen Kanäle an irgendeiner Stelle im Social Web auf den Artikel aufmerksam gemacht hatte, stieg die Zahl der Likes bzw. Shares (Facebook gibt nur eine aggregierte Kennzahl an) schon rasant an – innerhalb von weniger als einer Stunde waren es bereits Hunderte.

Letztlich hat dann das Veröffentlichen des Artikels auf unserer eigenen Facebook-Seite nicht mehr viel zur weiteren Verbreitung beigetragen. Diejenigen, die für den riesigen Facebook-Erfolg des Artikels verantwortlich sind, gehören meiner Einschätzung nach auch nicht zu unseren Stammlesern.

Ähnliches erlebe ich auch immer bei anderen Social-Media-Erfolgsartikeln. Dazu gehört beispielsweise so gut wie alles, was über die Alternative für Deutschland (AfD) geschrieben wird. Die Außenseiter-Partei besitzt online eine stramm organisierte und eingeschworene Fan-Gemeinde, die untereinander gut vernetzt ist. Dementsprechend schnell verbreiten sich Artikel über die Partei der Eurokritiker auch vor allem via Facebook – insbesondere, wenn sie wohlwollend geschrieben sind.

Neue Gefahr für die journalistische Unabhängigkeit

Die vorhersehbaren Mechanismen des Social-Media-Erfolgs bringen damit auch ganz neue Gefahren der Beinflussbarkeit von Journalisten mit sich. Bestand früher vor allem die Gefahr, dass sich Journalisten bei ihrer Berichterstattung von für sie wichtigen Kontakten oder für das Medium wichtigen Werbekunden beeinflussen lassen, besteht inzwischen die Gefahr, dass sie sich von gut organsierten Teilen ihrer Leserschaft zu bestimmten Artikeln verleiten lassen. Im Grunde sehe ich diese Gefahr sogar noch größer und offensichtlicher an, als den möglichen Einfluss von Werbekunden: Während Redaktion und Vertrieb in allen wichtigen Redaktionen Deutschlands getrennt arbeiten, bekommt der einzelne Journalist das Social-Media-Feedback sofort und unmittelbar.

Und der Erfolg von anti-journalistischen Angeboten wie der umstrittenen Website Heftig zeigt, dass im Social Web vor allem das funktioniert, was sämtliche Qualitätsstandards über Bord wirft.

Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.

Ergänzung vom 23. Juni 2014:

Thorsten Beeck, Head of Social Media bei der Bild, hat sich auf Twitter zu der Welpen-Geschichte geäußert:

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Hinweis in eigener Sache: Wir wollen Ihr Geld! https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/04/23/hinweis-in-eigener-sache-wir-wollen-ihr-geld/ https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/04/23/hinweis-in-eigener-sache-wir-wollen-ihr-geld/#respond Wed, 23 Apr 2014 11:14:52 +0000 http://onlinejournalismusblog.com/?p=816 Weiterlesen]]> Die ROFL-Copter sind da: Thomas Knüwer, Ronald Schweins, Christian Kirchner und ich laufen für den guten Zweck beim Metro Group Marathon Düsseldorf im Zeichen des #roflcopter. Alles weitere hat Thomas sehr schön aufgeschrieben – bitte hier entlang. ]]> https://www.onlinejournalismusblog.com/2014/04/23/hinweis-in-eigener-sache-wir-wollen-ihr-geld/feed/ 0 stephandoerner